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Das Deutsche Ärzteblatt schrieb 2003 zu den internationalen Sanktionen gegen den Irak: Die Zahlen und Fakten, die verschiedene UN-Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder UNICEF zur humanitären Lage des Landes am Golf präsentieren, sprechen eine erschütternde Sprache. Als direkte Folge der Sanktionen sterben durchschnittlich 250 Menschen täglich (UNICEF, 1998). Inzwischen zählt der Irak zu den fünf ärmsten Ländern der Welt, während er vor 1980 zu den am besten entwickelten Ländern des Nahen Ostens gehörte. Jedes achte irakische Kind stirbt, bevor es das fünfte Lebensjahr erreicht, zum größten Teil an Diarrhö oder Atemwegserkrankungen. Die Lehren nicht nur aus dem Irakkrieg hat der US-Ökonom Gary C. Hufbauer gezogen. Für die Wirksamkeit von Sanktionen nennt er drei wichtige Faktoren: • Stark und schnell müssten sie sein, d.h., eine rasche Umsetzung weitreichender Maßnahmen sei der erste Erfolgsfaktor. • Zweitens spielt das Kräfteverhältnis eine Rolle – je größer das sanktionierte Land, desto weniger abhängig ist es von den internationalen Märkten. • Und drittens schließlich kommt es darauf an, dass die sanktionierenden Staaten geschlossen auftreten. Es sollte keine Schlupflöcher geben.
Solche Sanktionen sollen besonders wirksam sein und die sanktionierten Staaten an der richtigen Stelle treffen, ihre Regierungen und Machthaber, nicht die einfachen Leute.
Prof. Francisco Rodriguez von der Universität Denver in Colorado hat 50 Jahre Sanktionsgeschichte untersucht, von 1971-bis 2021. Und das in 152 Ländern. Rodriguez und sein Forscherteam kommen auf mindestens 360 Tausend Tote pro Jahr, Die Zahl könnte allerdings auch im schlechtesten Fall über 700 Tausend Tote lauten. Selbst die niedrigste Annahme von 360 Tausend Toten durch Sanktionen ist horrende. Wenn man den Minimal- und Maximalwert mittelt, sind es 500 Tausend Tote. Die Sterblichkeit ist bei Kindern bis zu 5 Jahren besonders hoch, 8-9 Prozent über der normalen Mortalitätsrate. Sie stellen damit rund die Hälfte der sanktionsbedingten Todesfälle. Die oft verbreitete Erzählung, Sanktionen würden vor allem die Regierungen treffen, ist damit widerlegt.






