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show notes
Papa, wann machen wir das endlich?“
„Papa, wann machen wir endlich die Radtour?“ „Papa, wann gehen wir in die Innenstadt zum Shoppen?“ „Papa, wann gucken wir den Film?“ Diese oder ähnliche Fragen kennen wahrscheinlich alle Eltern. Ich habe etwas versprochen, aber noch nicht eingelöst. Und genau dann haben Kinder ein besonders gutes Gedächtnis. Manchmal lautet meine Antwort dann: „Später“, „Heute nicht“ oder einfach nur „Bald“.
Sie können es sich wahrscheinlich denken, für meine Kinder sind das unbefriedigende Antworten. „Bald“ bedeutet für meine Kinder ungefähr fünf Minuten, für mich schon mal fünf Tage oder vielleicht auch einige Wochen. Ich kann Ihnen sagen, das gibt zu Hause Diskussionen, wann „Bald“ oder „Gleich“ ist. Auch wenn unsere Vorstellungen auseinandergehen, ist eines klar: Nur weil ein Versprechen noch nicht eingelöst wurde, ist es nicht aufgehoben. Das Versprechen ist auch dann nicht aufgehoben, wenn ich meinem Kind für die Zwischenzeit einen Arbeitsauftrag gebe. Zum Beispiel: „Räume dein Zimmer auf.“ Das kann schon mal vorkommen, dass ich für die Zwischenzeit einen Arbeitsauftrag erteile. So ein Arbeitsauftrag für die Zwischenzeit ist aber auch keine Bedingung, um mein Versprechen einzulösen.
Ein Versprechen mit weitem Horizont
Mit diesem Gedanken argumentiert Paulus. Gott gibt Abraham ein Versprechen. Dieses Versprechen hat zeitlich einen sehr weiten Horizont. Viel weiter als mein „Später“, „Heute nicht“ oder „Bald“. Gottes Versprechen lautet: Durch einen Nachkommen Abrahams sollen alle Menschen gesegnet werden. Gott meint damit Jesus Christus, der aber erst viele Jahrhunderte später auf diese Welt kommt. Einige Jahrhunderte nach Gottes Versprechen an Abraham kommt das Gesetz des Mose. In diesem Gesetz stehen hunderte von Regeln und Geboten, nach denen Israel leben soll. Paulus macht deutlich, dass dieses Gesetz das Versprechen von Gott an Abraham nicht nachträglich verändert. Das Gesetz ist keine nachträgliche Bedingung für sein Versprechen. Das Gesetz macht aus Gottes Geschenk keinen Vertrag, den der Mensch erst erfüllen muss. Paulus vergleicht dieses Versprechen Gottes mit einem Testament, das ich auch nicht einfach so ändern kann. Gottes Versprechen hat Bestand über die Jahrhunderte, bis Jesus kommt.
Warum Regeln leichter scheinen als Vertrauen
Aus der Perspektive der Christen in Galatien ist das Entscheidende sogar schon geschehen. Sie müssen nicht warten wie Abraham. Sie haben die gute Nachricht von Jesus gehört. Sie haben geglaubt. Sie haben Gottes Gnade erlebt. Aber genau deshalb finde ich das, was dann passiert, so merkwürdig. Denn auf einmal wollen die Christen in Galatien nicht den versprochenen Jesus, sondern das Gesetz des Mose in den Mittelpunkt stellen. Sie lassen sich einreden, dass der Glaube an Jesus allein doch nicht genügt. Dass noch etwas hinzukommen muss. Sie glauben, dass sie bestimmte religiöse Leistungen brauchen. Sie glauben, bestimmte Vorschriften müssen eingehalten werden, um wirklich zu Gott zu gehören. Wie gesagt, ich finde merkwürdig, was dort passierte, und frage mich: Warum? Warum tauschen sie ein Versprechen gegen ein Regelwerk? Warum möchten sie sich etwas mit Leistung verdienen, was ihnen schon längst geschenkt worden ist?
Vielleicht ist eine Antwort, weil Regeln manchmal einfacher sind als zu vertrauen. Ein Versprechen macht mich abhängig von dem, der es mir gegeben hat. Ich kann nichts dafür tun, dass das Versprechen eingelöst wird, außer zu vertrauen, dass Wort gehalten wird. Eine Regel dagegen gibt mir etwas an die Hand. Ich kann feststellen: Das habe ich geschafft. Da war ich gehorsam. Das habe ich richtig gemacht. Vielleicht liegt genau darin die Versuchung. Gnade klingt wunderbar – aber ich kann nur vertrauen, ich kann mir nichts erarbeiten. Wenn es einzig und allein auf die Gnade ankommt, auf das Geschenk Gottes durch Jesus Christus, kann ich nicht am Ende sagen: „Das habe ich mir erarbeitet.“ Es gibt nichts, worauf ich stolz sein kann. Ich kann nur mit leeren Händen vor Gott stehen und seiner Gnade vertrauen. So, wie er es versprochen hat.
Gottes Versprechen gilt – auch wenn ich scheitere
Mein Eindruck ist, dass genau das mir manchmal schwerfällt. Ich baue mir lieber meine eigenen religiösen Gesetzbücher. Darin steht dann, wie oft ich in der Bibel lese. Wie regelmäßig ich bete. Was ich alles in der Gemeinde mache. Wie vorbildlich mein Leben aussieht. Vielleicht auch, welche Überzeugungen ich in Glaubensdingen habe. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Vieles davon ist gut und wichtig. Aber problematisch wird es, wenn ich glaube, deshalb von Gott angenommen zu sein. Weil dann mache ich genau das, wovor Paulus die Christen in Galatien warnt: Ich mache etwas, das nach dem Versprechen Gottes kommt, zur Bedingung für das Versprechen. Dabei ist die Reihenfolge entscheidend. Gott sagt nicht, dass er segnet, wo genug geleistet wird. Sondern er segnet durch Christus und aus diesem Segen lebe ich. Und das verändert mein Handeln. Ich bete nicht, damit Gott mich liebt, sondern weil er mich liebt. Ich lebe nicht nach Gottes Willen, damit ich von ihm angenommen werde, sondern weil er mich angenommen hat, versuche ich nach Gottes Willen zu leben. Das hat er versprochen und sein Versprechen gilt. Auch wenn ich gerade wenig von Gott spüre. Auch wenn mein Glaube vielleicht gerade schwach erscheint. Auch wenn ich an mir selbst scheitere. Gottes Versprechen hängt nicht an mir, sondern daran, dass er sein Wort hält.
Meine Kinder dürfen mich an meine Versprechen erinnern. Und manchmal muss ich zugeben, dass ich eines vergessen habe. Bei Gott ist das anders. Was er versprochen hat, vergisst er nicht. Und in Jesus zeigt er, dass er zu seinem Versprechen steht: In Jesus sind Sie und ich gesegnet. Das ist ein Geschenk und kein Verdienst. Wir müssen nichts hinzufügen, damit Gottes Versprechen gilt. Unser Vertrauen ist von Gott gefragt.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Daniel Behrens
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