Artwork for Eliten in der DDR von MDR AKTUELL
History

Eliten in der DDR von MDR AKTUELL

Mitteldeutscher Rundfunk

Wenn auf die DDR zurückgeblickt wird, dann geht es häufig um Mauer, Stasi und Unfreiheit. Viele Historiker beklagen diesen eindimensionalen Blick, die DDR war eben mehr. Sie wurde auch von den Eliten getragen, die nicht in vorderster Parteifront standen, aber den Staat trotzdem am Laufen hielten und dafür auch mit Privilegien belohnt wurden. Als Betriebsdirektor, Schulleiter, Parteisekretär oder Richter gehörten sie zu den „oberen Zehntausend“, zur Elite des Landes. Über diese Menschen ist bisher wenig bekannt. Wir stellen einige von ihnen vor. Wie haben sie ihr meist privilegiertes Leben im Sozialismus verbracht? An was haben sie damals geglaubt? Und wir fragen, wie diese Menschen heute auf ihr Leben zurückschauen.

  • 19 episodes
  • Updated Oct 17, 2025

Episodes19

  • Mar 27, 2023 · 22 min

    Finale: Eliten waren immer die anderen

    Mit dieser Folge endet der Podcast. Kristin Kielon und Jan Kröger erinnern sich an herausragende Gesprächspartner und beeindruckende Schilderungen. Sie gehen noch einmal der Frage nach: Wie lebten die Eliten in der DDR?

  • Jan 16, 2023 · 41 min

    Der Stasi-Offizier: Er nannte sich Calixtus, wie der Papst

    Bernd Roth ist im thüringischen Unterwellenborn aufgewachsen. Die Mutter war bei der Stasi, deshalb hatte er keine Berührungsängste mit dem Geheimdienst. Er sollte über Mitschüler berichten und tat das auch bereitwillig. Als Gegenleistung konnte er nach der Schule eine Ingenieursausbildung beginnen. Später wurde Bernd Roth hauptamtlicher Mitarbeiter beim MfS. Er überwachte große Thüringer Betriebe, sollte Wirtschaftsspionage verhindern und Sabotage aufdecken. Er war erfolgreich: durch seine Ermittlungen wurde ein CIA-Spion enttarnt. Seine Karriere bei der Stasi geriet trotzdem ins Stocken. Das lag vor allem daran, dass Roth in seiner Freizeit in einem Singeclub aktiv war, was seinen Vorgesetzten nicht gefiel. Er wurde in den Innendienst versetzt und verlor seine Illusionen. Aus Überzeugung, sagt er, habe er den Job nicht mehr gemacht. Spätestens in den 1980er Jahren habe jeder bei der Stasi gewusst, dass die DDR wirtschaftlich bankrott gewesen sei. Trotz aller Bedenken blieb Roth beim MfS. Vor allem das Geld war sein Antrieb. Er verdiente 32.000 Ostmark im Jahr, kaufte sich hochwertige Kleidung und leistete sich teure Urlaube. Statussymbole waren ihm wichtig. Die Wende erlebte er in der Bezirksverwaltung Gera, vernichtete Akten und hoffte, das es irgendwie weitergeht. Nach der Entlassung orientierte er sich neu, wurde Immobilienmakler. Er sei in kein Loch gefallen, sagt er und habe auch im Westen gutes Geld verdient. Nur eine Sache ärgert ihn gehörig: Als ehemaliger Stasi-Mitarbeiter habe er sich immer rechtfertigen müssen. Die politisch Verantwortlichen sind in seinen Augen hingegen unbeschadet davongekommen. Diese Episode ist die letzte in unserer Reihe "Eliten in der DDR".

  • Jul 12, 2022 · 42 min

    Veronika Fischer: Für einen Song schämt sie sich heute

    Veronika Fischer hat in der DDR 1,5 Millionen Schallplatten verkauft. Sie war keine Rebellin, ihre Lieder waren unpolitisch. Dennoch hat die gebürtige Thüringerin es irgendwann nicht mehr ausgehalten in ihrem Land.

  • May 24, 2022 · 39 min

    Der NVA-Offizier: "Das Leben verlief wie ein Länderspiel"

    Andreas Patzelt leitete in der Kaserne in Bad Düben den Fuhrpark. Er schaffte es bis zum Oberstleutnant und führte ein sozialistisches Vorzeigeleben. Materielle Sorgen hatte er nicht, auch dank eines Lotto-Gewinns.

  • Mar 9, 2022 · 40 min

    Der Parteischullehrer: Es gab für jeden einen Kaderplan

    Er war Handwerker und hat dann in der SED Karriere gemacht. Reinhardt Lindner war Lehrer an der Bezirksparteischule Ballenstedt im Harz. Sein Fach: Geschichte. Seine Aufgabe: sozialistische Kader ausbilden.

  • Jan 6, 2022 · 40 min

    Der Star-Trompeter: Der Staat spielte immer mit

    Ludwig Güttler war einer der wenigen Weltstars, den die DDR hatte. Der Solotrompeter gab Konzerte in Ländern, in die man normalerweise nicht reisen durfte. Zu Hause musste aber auch er sich mit Widrigkeiten herumplagen.

  • Oct 4, 2021 · 37 min

    Der FDJ-Chef: Wir haben viele Dinge nur abgenickt

    Eberhard Aurich war ab 1983 der oberste Jugendfunktionär in der DDR. Er hatte einen Citroen als Dienstwagen, konnte in den Westen reisen. Trotzdem sah er sich nicht als Elite. Wieso eigentlich?

  • Aug 3, 2021 · 33 min

    Der Chef-Gestalter: "Ulbricht hat meine Entwürfe nie gelobt"

    Seine Möbel standen in fast allen DDR-Wohnzimmern. Rudolf Horn hat Schranksysteme entworfen und dabei das Ikea-Prinzip schon früh vorweggenommen. Die variable Wohnung war sein Ziel. Dieser Traum ging nicht in Erfüllung.

  • Jun 9, 2021 · 37 min

    Gisela Steineckert: "So viele begabte Leute sind abgehauen"

    Gisela Steineckert prägte den DDR-Kulturbetrieb. Sie schrieb tausende Songtexte, Gedichte, Bücher und Hörspiele. Als Mitglied des Zentralen Lektorats entschied sie auch über Texte anderer Künstler. Wie ging das zusammen?

  • May 1, 2021 · 38 min

    Der Hoteldirektor: „Bei Genscher kam ich ins Schwitzen“

    Bertram Thieme leitete das Interhotel „Stadt Halle“. Er empfing prominente Gäste aus dem Westen und spürte die Kraft der D-Mark. Trotzdem hat er bis zum Schluss daran geglaubt, auf der Seite der Sieger zu stehen.

  • Apr 6, 2021 · 29 min

    Der Wirtschaftsplaner: Keiner wollte die Wahrheit hören

    Rolf Sukowski war Ostdeutschlands Mann für China. Er reiste mit Honecker dorthin, knüpfte Kontakte und staunte über den Aufschwung dort. Zuhause in der DDR erlebte er, wie alles den Bach herunter ging.

  • Feb 26, 2021 · 42 min

    Der Professor: DDR-Spitzenforscher ohne SED-Ausweis

    Roland Glaser gehörte zu den führenden Wissenschaftlern in der DDR. Er war ein international anerkannter Fachmann und reiste in die Welt. Dabei war er weder in der FDJ, noch in der SED. Wie hat er das nur geschafft?