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Der 4. November 1944 markiert das schwärzeste und folgenschwerste Kapitel in der modernen Stadtgeschichte Bochums. An diesem Samstagabend führte das RAF Bomber Command der britischen Luftwaffe den schwersten und verheerendsten Luftangriff auf die Stadt während des Zweiten Weltkriegs durch.
Aus geschichtswissenschaftlicher und militärhistorischer Sicht lässt sich das Ereignis wie folgt rekonstruieren:
1. Strategischer und militärischer KontextIm Spätherbst 1944 verfolgten die Alliierten die Strategie des sogenannten Area Bombing (Flächenbombardement), um die Infrastruktur, die Kriegsindustrie und das Versorgungsnetz des Deutschen Reiches im Ruhrgebiet – der „Waffenschmiede des Reiches“ – nachhaltig zu zerschlagen.
Bochum war aufgrund seiner Montanindustrie (darunter der Bochumer Verein, Großgießereien und Stahlwerke) sowie als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt bereits mehrfach Ziel von Angriffen gewesen. Der Angriff am 4. November war jedoch darauf angelegt, das Stadtzentrum flächendeckend zu zerstören.
2. Ablauf des Angriffs- Die Angriffsflotte: Die Großoffensive wurde von insgesamt 749 Flugzeugen geflogen (darunter 384 Halifax-Bomber, 336 Lancaster-Bomber sowie 29 Mosquito-Schnellbomber).
- Zeitfenster: Die Hauptwelle des Angriffs traf die Stadt am Abend zwischen 19:00 Uhr und 20:00 Uhr (einige Einheiten erreichten das Ziel bereits ab 17:30 Uhr MEZ).
- Taktik und Markierung: Unter Einsatz des Funknavigationssystems Oboe warfen Pfadfinder-Flugzeuge (Pathfinders) Leuchtbomben („Christbäume“) ab, um das Zielgebiet trotz Wolkendecke präzise zu markieren.
- Bombenlast: Innerhalb von knapp einer Stunde fielen über Bochum:
- Mehr als 10.000 Sprengbomben
- Über 130.000 Brandbomben
Die Kombination aus schwersten Sprengbomben (die Dächer und Fassaden aufrissen) und anschließenden Brandbomben löste einen massiven Feuersturm aus, der sich rasch durch die dichte Bebauung der Innenstadt fraß.
3. Zerstörung und OpferzahlenDie Bilanz des Angriffs war katastrophal:
- Todesopfer: Mindestens 1.300 Menschen verloren in dieser einen Stunde ihr Leben. Viele erstickten in den Kellern und Schutzräumen durch den Sauerstoffentzug und die giftigen Gase der Brände.
- Obdachlose: Rund 70.000 Einwohner wurden auf einen Schlag obdachlos.
- Stadtbild: Die Bochumer Innenstadt wurde zu über 85 % zerstört, das gesamte Stadtgebiet zu etwa 66 %. Mehr als 4.000 Gebäude wurden völlig vernichtet oder schwer beschädigt. Historische Wahrzeichen wie das Rathaus, die Pauluskirche und die Propsteikirche St. Peter und Paul brannten aus oder wurden schwer getroffen.
- Militärische Verluste der Alliierten: Das RAF Bomber Command verlor bei diesem Einsatz 28 Flugzeuge (23 Halifaxes und 5 Lancasters), hauptsächlich durch deutsche Nachtjäger.
Der 4. November 1944 legte die Basis für das heutige Gesicht Bochums:
- Städtebau der Nachkriegszeit: Da die historische Innenstadt fast vollständig ausgelöscht war, wurde Bochum ab 1945 nach den Idealen der Moderne und einer „autogerechten Stadt“ neu aufgebaut.
- Erinnerungskultur: An die Tragödie erinnert bis heute das Mahnmal der „Trauernden Alten“ von Gerhard Marcks an der Pauluskirche in der Innenstadt, wo jedes Jahr am 4. November im Rahmen des Gedenkens Kränze niedergelegt werden.
Nie wieder Krieg!