
Folge 47: Wenn die Evidenz schweigt – wie Ärzte trotzdem handeln können
Wir sind große Fans evidenzbasierter Medizin. Aber was tun, wenn es für die Situation einer Patientin schlicht keine Studie gibt? Andreas bringt die Geschichte einer jungen Frau mit, die seit ihrer Kindheit einen Typ-1-Diabetes hat und über die Jahre viele schwere Komplikationen bekommen hat. Eine kombinierte Nieren-Pankreas-Transplantation sollte die Wende bringen. Die Niere geht schon am Tag nach der Operation verloren, das Pankreas arbeitet, und sie braucht kein Insulin mehr. Doch dann steigt das HbA1c langsam an, bei hohem C-Peptidspiegel. Im Arztbrief steht plötzlich „Typ-2-Diabetes“, dazu die Empfehlung für drei neue Medikamente. Ist das wirklich ein Typ-2-Diabetes? Was macht Tacrolimus mit dem Zuckerstoffwechsel? Und warum haben fast alle Menschen nach einer Pankreastransplantation erhöhte Insulinspiegel? Andreas und Ingo tasten sich vorsichtig voran. Sie wägen Metformin, SGLT2-Hemmer, GLP-1-Rezeptoragonisten, DPP-4-Hemmer, Basalinsulin und Bewegung gegeneinander ab. Dabei merken sie, dass sie plötzlich pathophysiologisch argumentieren. Was pathophysiologisch plausibel ist, muss klinisch noch lange nicht richtig sein. Es geht auch um Action Bias und den ärztlichen Beschützerinstinkt. Es geht um den Mut, einer Patientin zu sagen: „Das weiß ich nicht, ich muss darüber nachdenken.“ Und es geht um die Frage, was KI-Tools wie OpenEvidence leisten und was nicht. Am Ende gibt es einen Blick über den Tellerrand in die Soziologie. Hartmut Rosa hat ein interessantes Buch geschrieben, dass auch uns Mediziner betrifft. Jetzt reinhören und mitdenken. Wir freuen uns über Feedback und Kommentare unter kommentare@denkfabrikmedizin.de Links und Tipps Folge 23 – Ist das Typ-2-Diabetes? – Hintergrund zur Unterscheidung Typ 1 / Typ 2 / Typ 1,5 Folge 26 – Ärztliche Denkfehler mit Matthias Janneck – mehr zu Action Bias und anderen kognitiven Verzerrungen
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