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Cosmic Latte · April 30 · 51 min

CL084 Die Reise zum Mond: vom Traum zur Realität

Die Episode über Raketenpioniere, Jules Verne und die Geburt der Raumfahrt Unterstützt uns bei Steady, Patreon oder Paypal! Live-Termin: 21.05.2026 Auf einen Kaffee im All: Buchpräsentation, Thalia Wien Mariahilferstraße Nach der erfolgreichen Artemis II Mission ist der Mond wieder in greifbare Nähe gerückt. Grund genug für Eva und Jana in dieser Folge einen Blick zurückzuwerfen, von der frühen Science-Fiction des Johannes Kepler zu Jules Vernes visionärer Mondreise mit einer gigantischen Kanone, die große Raketenpioniere wie Ziolkowski, Goddard und Oberth inspirierten. Es geht aber auch um den Zweiten Weltkrieg und Wernher von Braun der mit der V2-Rakete den Weg zum Mond ebnen sollte. Eine Geschichte über Visionen, Wissenschaft, Technik und den dunklen historischen Weg, der zur Raumfahrt führt. Der Traum vom Mond in der Science-Fiction Einer der frühesten Texte, der eine Mondreise nicht nur als Märchen, sondern als halb wissenschaftliches Gedankenexperiment entwirft, ist Johannes Keplers "Somnium", das 1634 postum veröffentlicht wurde. Diese kurze lateinische Erzählung gilt heute als eine der ersten Science-Fiction-Geschichten überhaupt. Kepler beschreibt darin nicht nur eine mögliche Reise zum Mond, sondern denkt auch über dessen Geografie, Klima und Lebensbedingungen nach. Bemerkenswert ist vor allem, dass er bereits erkennt: Eine Reise zum Mond ist ein physikalisches Problem. Jules Verne: Erste Raketenideen Im 19. Jahrhundert greift Jules Verne diesen Traum wieder auf und macht daraus ein technisches Abenteuer. In "Von der Erde zum Mond" und "Reise um den Mond" wird die Mondreise erstmals als ingenieurtechnisches Projekt geschildert. Verne beschreibt Startort, Flugbahn, technische Details und die Kapsel erstaunlich präzise. Zwar ist sein Szenario mit einer gigantischen Kanone physikalisch unmöglich, doch seine Vision war enorm einflussreich. Nicht zufällig hieß das Kommandomodul von Apollo 11 "Columbia" – eine Anspielung auf Vernes "Columbiad". Auch andere Parallelen sind auffällig: der Start in Florida, die Rückkehr im Pazifik und der Gedanke, dass technischer Fortschritt den Weg zum Mond möglich machen könnte. Solche Geschichten beflügelten nicht nur Leserinnen und Leser, sondern auch künftige Wissenschaftler und Ingenieure. H. G. Wells trug mit "The First Men in the Moon" 1901 ebenfalls dazu bei, die Mondreise in der modernen Science-Fiction zu verankern. Doch die entscheidende Frage blieb: Wie kommen wir tatsächlich dorthin? Die physikalische Grundlage dafür hatte bereits Isaac Newton im 17. Jahrhundert gelegt. Mit seinen Bewegungs- und Gravitationsgesetzen wurde klar, dass eine Reise zum Mond keine Zauberei ist, sondern ein Problem von Geschwindigkeit, Masse und Gravitation. Damit war die Mondreise prinzipiell berechenbar geworden. Raketenpioniere Der eigentliche Übergang von der Fantasie zur realen Raumfahrt beginnt mit Konstantin Ziolkowski. Der russische Lehrer und Visionär gilt als Vater der theoretischen Astronautik. 1903 veröffentlichte er seine bahnbrechende Schrift über die Erforschung des Weltraums mit Raketen. Darin formulierte er die entscheidende Erkenntnis, dass Raketen auch im luftleeren Raum funktionieren, weil sie ihren Schub durch Rückstoß erzeugen und nicht durch das „Abstoßen gegen die Luft“. Ziolkowski entwickelte außerdem die nach ihm benannte Raketengleichung, dachte über mehrstufige Raketen nach und entwarf Visionen von Raumstationen, Raumanzügen und interplanetaren Reisen. Für ihn war der Mond nicht mehr nur ein Sehnsuchtsort, sondern ein reales technisches Ziel. Berühmt ist sein Satz: „Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben.“ Auf Ziolkowskis theoretische Vorarbeit folgten die praktischen Pioniere. In den USA entwickelte Robert H. Goddard die ersten Flüssigkeitsraketen und startete 1926 erfolgreich eine solche Rakete. Flüssigtreibstoff war für die spätere Raumfahrt entscheidend, weil er kontrollierbarer und leistungsfähiger war als frühere Feststoffantriebe. Auch Goddard dachte bereits über große Höhen und sogar Mondflüge nach. Im deutschsprachigen Raum veröffentlichte Hermann Oberth 1923 sein Schlüsselwerk "Die Rakete zu den Planetenräumen". Darin beschrieb er Flüssigkeitsraketen, Stufenkonzepte und Raumfahrt als reale Ingenieurwissenschaft. Oberth inspirierte eine ganze Generation von Raumfahrtbegeisterten – darunter auch den jungen Wernher von Braun. Spannend ist auch seine Verbindung zum Kino: Als Berater für Fritz Langs Film Frau im Mond brachte er wissenschaftliche Konzepte wie Countdown, Flugbahnen und sogar Ansichten der Erde aus dem All in die Popkultur. Wernher von Braun und der Krieg Doch die Raketenentwicklung bekam bald eine düstere Wendung. In den 1930er- und 1940er-Jahren wurde sie in Deutschland massiv militarisiert. Das hatte auch mit dem historischen Kontext zu tun: Der Versailler Vertrag verbot Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg viele Formen der Aufrüstung, regelte aber Raketentechnologie noch nicht. Unter dem NS-Regime wurde die Raketenforschung dann zur Geheimsache. In Peenemünde entstand ein großes militärisches Forschungszentrum, in dem unter Wernher von Braun die A4-Rakete entwickelt wurde – besser bekannt als V2, die „Vergeltungswaffe 2“. Technisch war sie ein Meilenstein: eine große Flüssigkeitsrakete mit Turbopumpen, Steuerungssystemen und einer Reichweite von etwa 320 Kilometern. 1942 erreichte sie in einem Testflug den Rand des Weltraums. Gleichzeitig ist ihre Geschichte moralisch zutiefst belastet: Die V2 war eine Terrorwaffe, und ihre Produktion im KZ-System Mittelbau-Dora forderte zehntausende Todesopfer. Die Technik, die später den Weg zum Mond ebnete, entstand also teilweise aus einer dunklen, gewaltsamen Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen sowohl die USA als auch die Sowjetunion deutsches Raketenwissen, Material und Personal. In den USA wurden im Rahmen der Operation Paperclip Wernher von Braun und weitere Spezialisten ins Land gebracht; dort bildeten erbeutete V2-Raketen einen wichtigen Ausgangspunkt für das amerikanische Raumfahrtprogramm. In der Sowjetunion entwickelte Sergej Koroljow parallel eine eigene Raketenlinie, gestützt auf erbeutete Technik und eigenständige Ingenieurskunst. Damit begann der Kalte Krieg auch im All – und der Mond wurde vom Traumziel endgültig zum strategischen, wissenschaftlichen und symbolischen Ziel der Menschheit. Weiterführende Informationen Die Dokumentarion "The Last Man on the Moon" findet man an verschienenen Stellen im Internet. Mehr zur Geschichte des Countdowns gibt es hier. Mehr über das "Projekt Natter" gibt es hier. Das Cosmic-Latte-Buch und Veranstaltungen Unser Buch "Auf einen Kaffee im All" ist endlich erschienen! Ihr bekommt es überall, wo es Bücher gibt. Wir stellen das Buch am 21. Mai 2026 in der Thalia Wien (Mariahilferstraße) vor . Eintritt ist frei und Infos gibt es hier. Unterstützt den Podcast Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich. Kontakt Falls ihr Fragen habt, dann schickt uns eine Mail an kontakt@cosmiclatte.at oder hinterlasst ein Kommentar auf cosmiclatte.at. Ihr findet uns auch auf Instagram: Instagram Cosmic Latte Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion

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Die Episode über Raketenpioniere, Jules Verne und die Geburt der Raumfahrt

Unterstützt uns bei Steady, Patreon oder Paypal!

Live-Termin: 21.05.2026 Auf einen Kaffee im All: Buchpräsentation, Thalia Wien Mariahilferstraße

Nach der erfolgreichen Artemis II Mission ist der Mond wieder in greifbare Nähe gerückt. Grund genug für Eva und Jana in dieser Folge einen Blick zurückzuwerfen, von der frühen Science-Fiction des Johannes Kepler zu Jules Vernes visionärer Mondreise mit einer gigantischen Kanone, die große Raketenpioniere wie Ziolkowski, Goddard und Oberth inspirierten. Es geht aber auch um den Zweiten Weltkrieg und Wernher von Braun der mit der V2-Rakete den Weg zum Mond ebnen sollte. Eine Geschichte über Visionen, Wissenschaft, Technik und den dunklen historischen Weg, der zur Raumfahrt führt.

Der Traum vom Mond in der Science-Fiction

Einer der frühesten Texte, der eine Mondreise nicht nur als Märchen, sondern als halb wissenschaftliches Gedankenexperiment entwirft, ist Johannes Keplers "Somnium", das 1634 postum veröffentlicht wurde. Diese kurze lateinische Erzählung gilt heute als eine der ersten Science-Fiction-Geschichten überhaupt. Kepler beschreibt darin nicht nur eine mögliche Reise zum Mond, sondern denkt auch über dessen Geografie, Klima und Lebensbedingungen nach. Bemerkenswert ist vor allem, dass er bereits erkennt: Eine Reise zum Mond ist ein physikalisches Problem.

Jules Verne: Erste Raketenideen

Im 19. Jahrhundert greift Jules Verne diesen Traum wieder auf und macht daraus ein technisches Abenteuer. In "Von der Erde zum Mond" und "Reise um den Mond" wird die Mondreise erstmals als ingenieurtechnisches Projekt geschildert. Verne beschreibt Startort, Flugbahn, technische Details und die Kapsel erstaunlich präzise. Zwar ist sein Szenario mit einer gigantischen Kanone physikalisch unmöglich, doch seine Vision war enorm einflussreich. Nicht zufällig hieß das Kommandomodul von Apollo 11 "Columbia" – eine Anspielung auf Vernes "Columbiad". Auch andere Parallelen sind auffällig: der Start in Florida, die Rückkehr im Pazifik und der Gedanke, dass technischer Fortschritt den Weg zum Mond möglich machen könnte.

Solche Geschichten beflügelten nicht nur Leserinnen und Leser, sondern auch künftige Wissenschaftler und Ingenieure. H. G. Wells trug mit "The First Men in the Moon" 1901 ebenfalls dazu bei, die Mondreise in der modernen Science-Fiction zu verankern. Doch die entscheidende Frage blieb: Wie kommen wir tatsächlich dorthin? Die physikalische Grundlage dafür hatte bereits Isaac Newton im 17. Jahrhundert gelegt. Mit seinen Bewegungs- und Gravitationsgesetzen wurde klar, dass eine Reise zum Mond keine Zauberei ist, sondern ein Problem von Geschwindigkeit, Masse und Gravitation. Damit war die Mondreise prinzipiell berechenbar geworden.

Raketenpioniere

Der eigentliche Übergang von der Fantasie zur realen Raumfahrt beginnt mit Konstantin Ziolkowski. Der russische Lehrer und Visionär gilt als Vater der theoretischen Astronautik. 1903 veröffentlichte er seine bahnbrechende Schrift über die Erforschung des Weltraums mit Raketen. Darin formulierte er die entscheidende Erkenntnis, dass Raketen auch im luftleeren Raum funktionieren, weil sie ihren Schub durch Rückstoß erzeugen und nicht durch das „Abstoßen gegen die Luft“. Ziolkowski entwickelte außerdem die nach ihm benannte Raketengleichung, dachte über mehrstufige Raketen nach und entwarf Visionen von Raumstationen, Raumanzügen und interplanetaren Reisen. Für ihn war der Mond nicht mehr nur ein Sehnsuchtsort, sondern ein reales technisches Ziel. Berühmt ist sein Satz: „Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben.“

Auf Ziolkowskis theoretische Vorarbeit folgten die praktischen Pioniere. In den USA entwickelte Robert H. Goddard die ersten Flüssigkeitsraketen und startete 1926 erfolgreich eine solche Rakete. Flüssigtreibstoff war für die spätere Raumfahrt entscheidend, weil er kontrollierbarer und leistungsfähiger war als frühere Feststoffantriebe. Auch Goddard dachte bereits über große Höhen und sogar Mondflüge nach. Im deutschsprachigen Raum veröffentlichte Hermann Oberth 1923 sein Schlüsselwerk "Die Rakete zu den Planetenräumen". Darin beschrieb er Flüssigkeitsraketen, Stufenkonzepte und Raumfahrt als reale Ingenieurwissenschaft. Oberth inspirierte eine ganze Generation von Raumfahrtbegeisterten – darunter auch den jungen Wernher von Braun. Spannend ist auch seine Verbindung zum Kino: Als Berater für Fritz Langs Film Frau im Mond brachte er wissenschaftliche Konzepte wie Countdown, Flugbahnen und sogar Ansichten der Erde aus dem All in die Popkultur.

Wernher von Braun und der Krieg

Doch die Raketenentwicklung bekam bald eine düstere Wendung. In den 1930er- und 1940er-Jahren wurde sie in Deutschland massiv militarisiert. Das hatte auch mit dem historischen Kontext zu tun: Der Versailler Vertrag verbot Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg viele Formen der Aufrüstung, regelte aber Raketentechnologie noch nicht. Unter dem NS-Regime wurde die Raketenforschung dann zur Geheimsache. In Peenemünde entstand ein großes militärisches Forschungszentrum, in dem unter Wernher von Braun die A4-Rakete entwickelt wurde – besser bekannt als V2, die „Vergeltungswaffe 2“. Technisch war sie ein Meilenstein: eine große Flüssigkeitsrakete mit Turbopumpen, Steuerungssystemen und einer Reichweite von etwa 320 Kilometern. 1942 erreichte sie in einem Testflug den Rand des Weltraums. Gleichzeitig ist ihre Geschichte moralisch zutiefst belastet: Die V2 war eine Terrorwaffe, und ihre Produktion im KZ-System Mittelbau-Dora forderte zehntausende Todesopfer. Die Technik, die später den Weg zum Mond ebnete, entstand also teilweise aus einer dunklen, gewaltsamen Geschichte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen sowohl die USA als auch die Sowjetunion deutsches Raketenwissen, Material und Personal. In den USA wurden im Rahmen der Operation Paperclip Wernher von Braun und weitere Spezialisten ins Land gebracht; dort bildeten erbeutete V2-Raketen einen wichtigen Ausgangspunkt für das amerikanische Raumfahrtprogramm. In der Sowjetunion entwickelte Sergej Koroljow parallel eine eigene Raketenlinie, gestützt auf erbeutete Technik und eigenständige Ingenieurskunst. Damit begann der Kalte Krieg auch im All – und der Mond wurde vom Traumziel endgültig zum strategischen, wissenschaftlichen und symbolischen Ziel der Menschheit.

Weiterführende Informationen

Die Dokumentarion "The Last Man on the Moon" findet man an verschienenen Stellen im Internet.

Mehr zur Geschichte des Countdowns gibt es hier.

Mehr über das "Projekt Natter" gibt es hier.

Das Cosmic-Latte-Buch und Veranstaltungen

Unser Buch "Auf einen Kaffee im All" ist endlich erschienen! Ihr bekommt es überall, wo es Bücher gibt. Wir stellen das Buch am 21. Mai 2026 in der Thalia Wien (Mariahilferstraße) vor . Eintritt ist frei und Infos gibt es hier.

Unterstützt den Podcast

Ihr könnt uns via Steady, Patreon und Paypal unterstützen. Der Podcast ist aber natürlich weiterhin gratis auf allen gängigen Plattformen erhältlich.

Kontakt

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Cosmic Latte ist eine Space Monkey Produktion

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