Helene Bracht: Irma tanzt
Lesung und Gespräch. "Oh Gott, jetzt mach ich dasselbe wie alle vor mir und schreibe über meine Mutter" - aber nein, dieser Essay ist ganz eigen! Helene Bracht über Irma, über sich und über Vorgeschichten, wie sie uns allen in den Knochen stecken. Helene Bracht wollte gar nicht über ihre Mutter schreiben. Aber dann war dieser erste Satz da und führte immer weiter. In die Zeit, als sie als junge Frau am Krankenbett der sterbenden Mutter saß. Als sie Briefe ihrer Eltern fand, die von einer psychisch brutalen Ehe erzählen - oder doch von einer psychisch brutalen Zeit? Unterwerfung wurde als der „Weg“ der Frau angesehen. Helene Bracht fasst beides, das Persönliche und das Gesellschaftliche. Irma bemühte sich, passte aber doch in kein Raster, mit ihrem „vulkanischen Gemüt“. Peinlich, fand ihre Tochter das lange. „Ich habe einfach ganz spät gemerkt, dass es viele Menschen gab, die sie gerade deswegen besonders mochten“, erzählt sie im Podcast, im Gespräch mit Judith Heitkamp. „Weil so ein Temperament in den 50er, 60er Jahren bei Frauen kaum je zu beobachten war.“ Mit ihrem ersten Essay „Das Lieben danach“ hat Helene Bracht spät zum literarischen Schreiben gefunden - und damit auch ihre Form, das Verknüpfen von Erinnerung und Analyse, Zeitgeschichte und Gesellschaft, Memoir und Imagination. Mit ihr entdecken wir im Besonderen das Typische, legen Muster frei. So erzählt sie auch in „Irma tanzt“, einem Buch, das wieder sehr persönlich geworden ist und gleichzeitig mit einem klugen und sich verändernden Blick inspiriert. Das höre sie von Menschen unterschiedlichen Alters, sagt die Autorin, „dass sie nachdenklich geworden sind und natürlich auch an ihre eigene Geschichte denken.“ Gast: Helene Bracht, geboren 1955, studierte Psychologie und Pädagogik, arbeitete am Theater und als Psychologin. Mit 70 Jahren veröffentlichte sie zum ersten Mal literarisch, nämlich den Essay „Das Lieben danach“, der zum Bestseller wurde und dem jetzt „Irma tanzt“ folgt. Host: Judith Heitkamp, hat viele Bücher im Regal, in denen alte Korrespondenz auftaucht. Wenig davon allerdings liest sich so brutal wie die Briefe, in denen Irma und ihr Mann um ihre Ehe kämpfen. Buch: Helene Bracht, Irma tanzt, Hanser Verlag. Hörtipp: Babylon Berlin gibt es jetzt auch im Podcast - als Hörspielserie hier in ARD Sounds. https://kurz.ard.de/babylon-berlin-hoerspiel

















