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show notes
Wenn ein Ort zur Erinnerung wird
Aufgenommen am 20. Oktober 2026 auf Mykonos, am Morgen unserer Abreise.
Gestern haben wir versucht, diese Folge schon einmal aufzunehmen.
Doch das Gespräch fühlte sich für uns noch nicht richtig an. Wir waren voller Gedanken, Erinnerungen und Gefühle, die sich nicht so einfach in Worte fassen ließen.
Heute versuchen wir es noch einmal.
Denn wir möchten über eine Zeit sprechen, die wir gerade sehr intensiv erleben: eine Schwellenzeit.
Ein Jahr, das unser Leben verändert hat
Am 19. Oktober 2025 haben wir uns auf Mykonos nach unseren ersten gemeinsamen Tagen verabschiedet.
Wir kannten uns erst sehr kurz und hatten doch bereits etwas miteinander erlebt, das uns tief berührte.
An einer kleinen Kapelle hatten wir über unsere größten Ängste gesprochen. Wir waren uns in einer Weise nahegekommen, die wir damals kaum einordnen konnten.
Ein Jahr später sind wir verheiratet und stehen vor einer langen gemeinsamen Reise.
Am gestrigen Jahrestag haben wir diese Kapelle noch einmal besucht.
Beim ersten Mal war sie der Ort einer besonderen Begegnung. Im Sommer kehrten wir während unserer Flitterwochen dorthin zurück. Gestern saßen wir dort, um Abschied zu nehmen.
Derselbe Ort. Drei Besuche. Drei unterschiedliche Lebenssituationen.
Wenn aus einem Ort ein Teil der eigenen Geschichte wird
Mykonos gehört inzwischen zu unserer gemeinsamen Biografie.
Wir kennen unsere Lieblingsstrände, unsere Wege, die kleinen Geschäfte und die Menschen, die uns wiedererkennen.
Wir wohnen wieder in dem Hotelzimmer, in dem Barbara vor einem Jahr allein geschrieben und über ihr weiteres Leben nachgedacht hat.
Jetzt werden wir diesen Ort verlassen, wahrscheinlich für immer.
Wir sprechen darüber, wie das Wissen um ein letztes Mal unsere Wahrnehmung verändert.
Plötzlich bekommt etwas, das uns längst vertraut geworden ist, eine neue Bedeutung.
Und wir fragen uns, wann eigentlich der Moment kommt, in dem aus einem gegenwärtigen Erlebnis eine Erinnerung wird.
Äußere und innere Schwellen
Wir stehen vor einer großen Veränderung.
Heiko hat seinen bisherigen Berufsalltag hinter sich gelassen. Barbara beendet eine lange Phase ihrer beruflichen Arbeit und widmet sich neuen Buchprojekten.
Wir bereiten unsere Aurora auf das Leben unterwegs vor und haben inzwischen die Fähre zu den Kanarischen Inseln gebucht.
Wir möchten den Winter nicht mehr im Kalten verbringen. Und wir möchten das Reisen zu unserem neuen Alltag machen.
Doch neben diesen sichtbaren Veränderungen gibt es viele innere Schwellen.
Wie lernen wir, gemeinsam zu entscheiden?
Wie teilen wir Verantwortung?
Wie verändern sich unsere bisherigen Gewohnheiten?
Und was geschieht, wenn wir uns auf ein Leben einlassen, dessen Verlauf wir noch nicht kennen?
Was bedeutet Zuhause, wenn wir unterwegs sind?
Bisher haben wir uns oft an Orten aufgehalten, die mindestens einer von uns bereits kannte.
Nun werden wir zunehmend unbekannte Gegenden kennenlernen.
Wir sprechen darüber, wie aus fremden Orten vertraute Orte werden können.
Und darüber, was wir brauchen, um uns auch unterwegs geborgen zu fühlen.
Manchmal sind es ganz einfache Dinge: unsere Bücher, unsere Teddys, ein vertrauter Duft, unsere Kleidung und die Gegenstände, mit denen wir uns einrichten.
Heiko sagt unterwegs gerne: „Komm, wir gehen heim.“
Und inzwischen bedeutet das für uns den Ort, an dem wir gerade miteinander leben.
Die Schwellen innerhalb unserer Beziehung
Auch unsere Liebe verändert sich.
Wir haben in diesem ersten Jahr viel miteinander erlebt und gelernt, Entscheidungen gemeinsam zu treffen.
Wir sprechen über schwierige Momente, in denen wir uns voneinander entfernt haben, und über die Erfahrung, wieder zueinanderzufinden.
In unseren Eheringen stehen die Worte:
„Bleiben. Lösen. Lieben. Auf ewig.“
Das Lösen beschäftigt uns besonders.
Alte Verhaltensweisen, Ängste und Gewohnheiten verändern sich nicht einfach durch einen Entschluss.
Wir erleben, dass dabei manchmal vieles an die Oberfläche kommt.
Und wir freuen uns darüber, dass wir in dieser Woche einen neuen Umgang mit schwierigen Situationen gefunden haben.
Wehmut und Demut
Barbara bezeichnet Wehmut und Demut in diesem Gespräch als zwei liebevolle Schwestern.
Beide Gefühle begleiten uns gerade.
Wir sind traurig darüber, dass wir Mykonos verlassen.
Wir sind dankbar für das, was wir hier erlebt haben.
Und wir staunen darüber, wie viel sich innerhalb eines einzigen Jahres verändern kann.
Heiko erzählt, wie nachdenklich ihn all das macht und wie schwer es ihm manchmal fällt, dafür Worte zu finden.
Wir nehmen uns Zeit, diese Gefühle wahrzunehmen.
Welche Orte haben unser Leben geprägt?
Wir denken auch darüber nach, wie wichtig bestimmte Orte für unsere Biografie sind.
Manche erinnern uns an schöne Begegnungen, andere an schmerzhafte Erfahrungen.
Barbara erzählt davon, wie bedeutsam es sein kann, an einen solchen Ort zurückzukehren, um etwas zu würdigen, zu verabschieden oder Frieden damit zu schließen.
Vor unserer großen Reise möchte sie beispielsweise noch einmal das Grab ihrer Mutter besuchen.
Wir fragen uns, welchen Platz solche Übergänge in unserem Leben haben und ob wir ihnen genügend Aufmerksamkeit schenken.
Das Vertraute verabschieden und das Unbekannte willkommen heißen
Während wir dieses Gespräch führen, müssen wir eigentlich schon wieder unsere Sachen packen.
Unsere Zeit auf Mykonos geht zu Ende.
Und wir sind uns bewusst, dass wir gerade einen Lebensabschnitt abschließen, der für uns beide sehr kostbar geworden ist.
Wir wissen noch nicht, welche Orte, Begegnungen und Erfahrungen vor uns liegen.
Aber wir wissen, dass wir gemeinsam aufbrechen.
Vielleicht regt euch diese Folge an, auch über eure eigenen Schwellen nachzudenken:
Welche Orte haben euer Leben geprägt? Welche Abschiede stehen bevor? Und welche neuen Möglichkeiten warten vielleicht schon auf euch?
Wir verabschieden uns von Mykonos.
Mit Wehmut. Mit Dankbarkeit. Und mit großer Vorfreude auf das, was kommt.