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Archivradio – Geschichte im Original

SWR

Historische Aufnahmen und Radioberichte von den ersten Tonaufzeichnungen bis (fast) heute. Das Archivradio der ARD macht Geschichte hör- und die Stimmung vergangener Jahrzehnte fühlbar. Präsentiert von: Gábor Paál, Lukas Meyer-Blankenburg, Maximilian Schönherr und Christoph König. Ein Podcast von SWR, BR, HR, MDR und WDR. https://archivradio.de | Übersicht über alle Beiträge: http://x.swr.de/s/archivradiokatalog

  • 20 episodes
  • Updated Friday

Episodes20

  • Friday · 4 min

    Die ersten "Homo-Ehen" werden geschlossen | 1.8.2001

    Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) tritt in Kraft Es war eines der großen gesellschaftspolitischen Projekte der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder: Die Einführung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft im Jahr 2001. Sie wurde damals vielfach als "Homo-Ehe" bezeichnet, obwohl sie der Ehe noch nicht gleichgestellt war. Die steuerlichen Vorteile einer Ehe oder auch ein Adoptionsrecht waren damit nicht verbunden. Die echte "Ehe für alle" sollte erst 2017 kommen. Trotzdem war der 1. August 2001 für viele gleichgeschlechtliche Paare ein Meilenstein, und schon am selben Tag wurden die ersten Paare "getraut", im ganzen Bundesgebiet. Für SWR3 war es an diesem Tag das Top-Thema.

  • July 28 · 6 min

    Gunther von Hagens seziert öffentlich eine Leiche in London | 20.11.2002

    Öffentliche Obduktion vor Publikum in Londoner Art Gallery 500 Menschen dürfen zusehen, wie der deutscher Anatom Gunther von Hagens (1945 - 2026) in der Londoner Art Gallery am 20. November 2002 eine Leiche seziert. Erst öffnet er den Schädel, dann den Brustkorb und schließlich legte er die inneren Organe des Toten frei. Der Mann war Kettenraucher und Alkoholiker und ist mit 72 Jahren gestorben. Britische Regierung erklärt Aktion für illegal – dennoch Übertragung im TV Die anatomische Sektion wurde kurz vor Mitternacht auch von Channel 4 im Fernsehen ausgestrahlt – und das, obwohl die britische Regierung die Aktion zuvor für illegal erklärt hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass Gunter von Hagens sich mit Leichen ins Rampenlicht begibt. 1995 hat er schon mit seiner Wanderausstellung "Körperwelten" für Aufsehen und für Proteste gesorgt. Darin hat er sezierte tote menschliche Körper plastiniert und teilweise in kunstvollen Posen zur Schau gestellt. Nun also die öffentliche Autopsie in London. Bevor wir hören, wie sie am Abend ablief, zunächst der Bericht vom Nachmittag, als das Spektakel noch auf der Kippe stand.

  • July 18 · 21 min

    Karlsruhe bekommt Forschungsreaktor – Stimmung in der Stadt | 19.7.1956

    Bundeskanzler Konrad Adenauer entscheidet für Karlsruhe und gegen München 1956 ist entschieden: In Karlsruhe soll der erste atomare Forschungsreaktor der Bundesrepublik entstehen. Physik-Nobelpreisträger Werner Heisenberg hatte sich für München stark gemacht, denn er ist mit seiner Forschungsgruppe aus Göttingen dorthin gezogen. Doch Kanzler Konrad Adenauer entscheidet zugunsten von Karlsruhe. Eine Rolle spielen dabei auch sicherheitspolitische Erwägungen. München liegt Adenauer zu nahe an der aus Moskau kontrollierten Tschechoslowakei. Zur Vertragsunterzeichnung schickt der Kanzler seinen Atomminister Franz Josef Strauß (1915 - 1988) nach Karlsruhe. Wir hören zunächst den Bericht vom Festakt, anschließend eine Umfrage, die die Stimmung der Karlsruher widerspiegelt. Wegen Hochwassergefahr am Rhein: Leopoldshafen statt Maxau Die Bauarbeiten in Karlsruhe beginnen zunächst am Rhein bei Maxau. Doch nach einem Jahr ist klar: Das ist wegen der Hochwassergefährdung dann doch zu unsicher. Das Kernforschungszentrum entsteht schließlich weiter vom Fluss entfernt, bei Leopoldshafen. Der Reaktor geht wegen dieser und anderer Verzögerungen erst 1961 in Betrieb und wird deshalb nicht der erste Reaktor in der Bundesrepublik – das wird der in Garching, zu dessen Inbetriebnahme wir im Archivradio eine eigene Aufnahme haben. Das Kernforschungszentrum Karlsruhe wird später in Forschungszentrum Karlsruhe umbenannt und fusioniert 2009 mit der Universität zum heutigen Karlsruhe Institute of Technology KIT. Im Bild: Mitglieder des Atom-Ausschusses des Bundestags besichtigen am 17. Januar 1958 das Karlsruher Reaktorgelände bei Leopoldshafen. Rechts Baudirektor Sommer, daneben (mit dunklem Hut) der Vorsitzende des Ausschusses, Dr. Thomas Dehler (FDP)

  • July 18 · 4 min

    Englands Freedom Day nach dem Corona-Lockdown | 19.7.2021

    Endlich raus aus dem Lockdown, endlich zurück zur Normalität: Am 19. Juli 2021 – kurz nach der EM – hebt die britische Regierung die Corona-Restriktionen für England auf. Premier Boris Johnson hat diesen Tag als "Freedom Day" ausgerufen – vier Wochen später als ursprünglich erwartet, aber viel früher als in anderen Nationen. Gemischte Reaktionen Die Reaktionen sind gemischt. Während die jungen Nachtschwärmer- und Partygänger regelrecht die Sekunden herunterzählen, gibt es auch viele skeptische Stimmen. Die neue Freiheit währte nur wenige Wochen. Als mit dem Winter die Omikron-Welle naht und die Zahl der Infizierten erneut in die Höhe schießen, wird in öffentlichen Innenräumen und Verkehrsmitteln die Maskenpflicht wieder eingeführt, bei vielen Veranstaltungen wird auch ein Impfnachweis wieder Pflicht.

  • July 17 · 2 min

    Hörtipp: Der verbotene Vater

    Seit Katharina denken kann, hat sie das Gefühl, "nicht richtig zu sein". In ihrem Leben fehlt der Vater und ihre Familie schweigt über die Vergangenheit. Doch da gibt es dieses winzige, alte Foto: Es zeigt einen Mann neben ihrer Mutter. Wer ist das? "Der verbotene Vater – Schicksal eines französischen Besatzungskinds": Das ist eine Zeitreise an den Bodensee kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs und mittenrein in eine verbotene Liebesgeschichte zwischen einer Deutschen und einem französischen Soldaten. Denn Katharina ist eines von mindestens 400.000 illegitimen Kindern, die kurz nach dem Krieg in den Besatzungszonen in Deutschland gezeugt werden – und deren Väter alliierte Soldaten sind. https://1.ard.de/alles-geschichte-der-verbotene-vater

  • July 12 · 22 min

    Weltwirtschaftskrise in Deutschland: Banken schließen für zwei Tage | 15.7.1931

    Sparer holen ihr Geld von den Banken zurück Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre spitzt sich in Deutschland auch in der Bankenkrise von 1931 zu. Große Banken, die Dresdner und die Danat-Bank, eine der größten Banken der Weimarer Republik, brechen zusammen. Anleger und Sparer verlieren ihr Vertrauen gegenüber den Banken und heben ihr Erspartes ab. Banken geht das Bargeld aus. Das spricht sich schnell herum. Am 13. Juli 1931 laufen viele Sparer zu ihrer Bank, um Geld abzuheben und zu sichern. In der Folge ist die Dresdner Bank zahlungsunfähig. Die Regierung beschließt daraufhin zwei Bankfeiertage für den 14. und 15. Juli, was nichts anderes bedeutet, als dass die Banken geschlossen bleiben. Reichsfinanzminister Hermann Dietrich beschwichtigt Reichsfinanzminister Hermann Dietrich erklärt die Maßnahmen am 15. Juli 1931 in einer Rundfunkansprache und versucht zu beschwichtigen. Die Regierung trage keine Schuld. Das Reich habe sein Haus in Ordnung gebracht. Die US-Regierung unter Präsident Herbert Hoover habe die Rückzahlung von Schulden ausgesetzt, auch das entlaste das Deutsche Reich. Der entscheidende Grund für die Bankenkrise seien die ausländischen Kreditgeber, die kurzfristig ihr Geld aus Deutschland herausholen wollen. Auch habe der deutsche Hang zur Kritik die Unruhe verstärkt. Daher die zweitägige Bankenschließung. https://archivradio.de/

  • July 8 · 2 min

    Eröffnung des Flughafens Rhein-Main | 8.7.1936

    Frankfurt am Main: früher Verkehrsknoten der Luftfahrt Schon in der Zeit der Zeppeline war Frankfurt am Main ein früher Verkehrsknoten der Luftfahrt: 1912 wurde am Rand des Frankfurter Stadtteils Bockenheim, im Rebstockgelände, ein Luftschiffhafen eröffnet und stand bald auch Flugzeugen zur Verfügung. Doch das Gelände wurde mit der Zeit zu klein und konnte, da in der Stadt gelegen, auch nicht ausgebaut werden. 1930 beschließt der Magistrat einen neuen Flughafen südlich von Frankfurt im Frankfurter Stadtwald. Doch wegen der Weltwirtschaftskrise wird der Plan nicht umgesetzt. Flughafen in der Nähe der Reichsautobahn Dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht und greifen die Pläne auf. Sie platzieren das Gelände in unmittelbarer Nähe der ersten Reichsautobahn, auf die Hitler ja so stolz ist – also der heutigen A5 im Abschnitt zwischen Frankfurt und Darmstadt. Im Juli 1936, kurz vor den Olympischen Spielen in Berlin, wird der Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main eröffnet. Hier der Ausschnitt des Berichts, wie er im Deutschen Rundfunkarchiv erhalten ist. http://swr.li/fruehe-luftfahrt http://swr.li/reichsautobahn-spatenstich https://archivradio.de/

  • July 7 · 5 min

    Auflösung des Warschauer Pakts | 1.7.1991

    Nach dem Fall der Mauer 1989 geht auch die Epoche der Sowjetunion langsam zu Ende und mit ihr löst sich auch das mächtige Militärbündnis des Ostens auf, der Warschauer Pakt. Es unterstand direkt der Kontrolle Moskaus. 1955 war der Warschauer Pakt gegründet worden, auch als Reaktion darauf, dass eine Woche zuvor die Bundesrepublik der NATO beigetreten ist. Am 1.Juli 1991 ist der Pakt Geschichte. http://swr.li/gruendung-warschauer-pakt http://swr.li/ende-der-sowjetunion https://archivradio.de/

  • July 7 · 5 min

    Neues Namensrecht: Eheleute dürfen auch Namen der Frau führen | 6.7.1976

    Name der Frau kann Ehename werden Bis 1976 war klar: Nach einer Hochzeit bekommt die Ehefrau den Nachnamen des Mannes. Allenfalls darf sie ihren Mädchennamen mit Bindestrich dazusetzen. Am 1. Juli 1976 gibt es ein bisschen mehr Gleichberechtigung: Die Eheleute dürfen sich nun auch auf den Namen der Frau einigen. Die Bindestrich-Option gibt es weiterhin. Eigentlich ist das schnell gesagt, doch die Ausführlichkeit und der Ton, in der der folgende Beitrag vom 6. Juli 1976 dieses Thema breittritt, verrät etwas darüber, wie gewöhnungsbedürftig das neue Namensrecht offenbar damals ist. https://archivradio.de/

  • June 6 · 28 min

    Georg Picht warnt vor Bildungskatastrophe | 18.7.1964

    Lehrermangel, marode Schulen und für viele Kinder keine adäquate Bildung Lehrkräftemangel, marode Schulen – und etliche Kinder, die nicht die Bildung bekommen, die ihrer Begabung entspricht. Das alles beklagt 1964 der bekannte Pädagoge Georg Picht (1913 - 1982). Er warnt, dass die schönen Zeiten des Wirtschaftswunders bald vorbei sein könnten. Er weist auf die nackten Zahlen hin: Immer mehr Geburten gibt es damals, damit auch immer mehr Schüler. Gleichzeitig stehen immer weniger Lehrer zur Verfügung, weil sich ältere Jahrgänge in den Ruhestand verabschieden. Damit nicht genug: Die wachsende Wirtschaft brauche mehr Schulabgänger mit Mittlerer Reife und Abitur – das Ausland habe das erkannt, die Bundesrepublik hinke hinterher. Der Zustand der Schulen sei schlecht, weil zu wenig investiert wird. Besonders rückständig sei die Situation in Baden-Württemberg. Thesen des Pädagogen Georg Picht finden Gehör Georg Pichts veröffentlicht seine Thesen in einer Artikelserie im Februar 1964 in der Wochenzeitung "Christ und Welt". Und das Erstaunliche: Sie findet Gehör, wird ein großes öffentliches Thema. Georg Picht hat den Vorteil, dass er in der intellektuellen Szene gut vernetzt ist. Er ist Schüler von Martin Heidegger, eng befreundet mit Carl Friedrich von Weizsäcker sowie dem damaligen Star der Reformpädagogik, Hellmut Becker. Picht selbst hat auf dem Birklehof im Schwarzwald eine Freie Schule aufgebaut. Deshalb findet seine Warnung Resonanz. Es tut sich was in der Bildungspolitik In seinem Radiovortrag vom 18. Juli 1964 im Süddeutschen Rundfunk fasst er seine These vom Bildungsnotstand zusammen und kommt zu dem Ergebnis: In den vorangegangenen Monaten, nach seiner Artikelserie, sei so viel passiert, dass er es für möglich hält, dass die Bildungskatastrophe doch noch abgewendet werden könne. Tatsächlich tut sich in der Folge einiges in der Bildungspolitik: 1965 wird ein sogenannter Bildungsrat auf Bundesebene geschaffen und immer mehr Jugendliche machen Abitur. Im Rückblick ist jedoch umstritten, ob wirklich Pichts düstere Diagnose den Anstoß dazu gegeben hat – wie er es selbst darstellt. Denn manche Entwicklungen, die Picht fordert, hatte die Politik schon in den Monaten vor seiner Artikelserie eingeleitet. http://swr.li/picht

  • June 3 · 13 min

    "Wir haben abgetrieben" – Stern-Kampagne, initiiert von Alice Schwarzer | 3.6.1971

    Es war eine der bekanntesten Titelgeschichten der Zeitschrift "Stern" und zugleich die Kampagne, mit der die Journalistin Alice Schwarzer als Kämpferin für Frauenrechte bundesweit bekannt wurde. In der "Stern"-Ausgabe am 6. Juni 1971 erklären 374 prominente Frauen öffentlich, dass sie abgetrieben hätten und fordern die Abschaffung des Paragrafen 218. Zwei Monate zuvor hatte es schon eine ähnliche Kampagne in Frankreich gegeben, an der Alice Schwarzer ebenfalls beteiligt war. "Bild" gegen "Stern" Bevor die Ausgabe des "Stern" erscheint, schaltet er Anzeigen in verschiedenen deutschen Tageszeitungen. Davon handelt der folgende Bericht vom 3. Juni 1971 im Süddeutschen Rundfunk. Alice Schwarzer wird dabei nicht erwähnt, man kennt sie noch kaum. Dafür die Schauspielerin Vera Tschechowa. Denn die Bild-Zeitung behauptet, Tschechowa habe nicht gewusst, was sie da unterschreibe. Also ruft der Reporter sie einfach an und fragt sie. Tschechowa erklärt, sie stehe zu ihrer Aussage. "Wir haben abgetrieben" – Muss jetzt die Staatsanwaltschaft ermitteln? Nachdem dieser Sachverhalt geklärt ist, geht die Sendung auf die juristischen Folgen dieser öffentlichen Selbstbezichtigung ein. Der ehemalige Bundesrichter Heinrich Jagusch erklärt, dass die Staatsanwaltschaft nach dieser Kampagne keineswegs zwangsläufig aktiv werden müsse.

  • June 1 · 6 min

    Kanzlertausch 1966 – Kiesinger dementiert Ambitionen auf Erhard-Nachfolge | 4.11.1966

    Wirtschaftswunder-Star Ludwig Erhard unter Druck 1966 ist Bundeskanzler Ludwig Erhard drei Jahre im Amt und sein Image ramponiert. Der einstige Star der Wirtschaftswunderjahre hat die Erwartungen nicht erfüllt: Die Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch gibt es Spannungen im Verhältnis zu Frankreich. Die CDU verliert an Zustimmung. In der Partei rumort es schon länger. Die CSU unter Franz Josef Strauß denkt laut darüber nach, Erhard ein Ultimatum zu stellen. Auch in der CDU-Führungsmannschaft wird über einen Kanzlertausch nachgedacht. Dann wird es plötzlich konkret. Um ein Haushaltsloch zu stopfen, will Erhard Steuern erhöhen. Sein Koalitionspartner, die FDP, weigert sich. Am 27. Oktober 1966 treten die vier FDP-Minister zurück, Erhards Regierung hat keine Mehrheit mehr. Erhard selbst erklärt sich grundsätzlich bereit, zurückzutreten. Jetzt wird offen über Ersatzkandidaten spekuliert. Kurt Georg Kiesinger: "keinerlei Karriere-Ehrzeiz" Zwei Kandidaten werden heiß gehandelt: Der eine ist Parlamentspräsident Eugen Gerstenmaier – es ist kein Geheimnis, dass er Interesse hat. Ein anderer ist der Baden-Württembergische Ministerpräsident Kurt Georg Kiesinger. Der wird es später auch, will Anfang November 1966 aber nicht zu schnell vorpreschen: In einer Pressekonferenz wiegelt er ab und weist eigene Ambitionen auf das Kanzleramt zurück. Er wolle in Baden-Württemberg bleiben. Kiesinger wird Kanzlerkandidat, Erhard tritt zurück Bereits eine Woche später, am 10. November 1966, wählt die CDU Kiesinger zum neuen Kanzlerkandidaten. Er versucht zunächst, die FDP wieder ins Regierungsboot zu holen, doch die will nicht. Anschließend verhandelt Kiesinger mit der SPD unter Willy Brandt. So kommt es zur ersten Großen Koalition der Bundesrepublik. Als das geklärt ist, tritt Erhard auch formal zurück und Kiesinger wird am 1. Dezember 1966 zum Bundeskanzler gewählt.

  • May 30 · 4 min

    Öffentliche Gelöbnis der Bundeswehrsoldaten | 31.5.1996

    Wenn Bundeswehrsoldaten ihren Eid aufs Grundgesetz ablegen, fand das früher nur in den Kasernen statt. 1980 gab es erstmals eine große öffentliches Gelöbnisfeier im Bremen Weserstadion, aber die wurde von teils gewalttätigen Demonstranten so massiv gestört, dass die Bundeswehr bis auf Weiteres darauf verzichtete. Erst 1996 initiiert der damalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe wieder ein großes öffentliches Gelöbnis, und zwar in Berlin. Seitdem gibt es diese Feiern regelmäßig. Obwohl das Gelöbnis auch 1996 keineswegs störungsfrei ablief.

  • May 29 · 5 min

    Start der ICE-Züge – mit peinlicher Panne | 31.5.1991

    ICE – der neue Hochgeschwindigkeitszug der Bahn Kaum vorstellbar: Bis 1991 war der Intercity das Schnellste, was die Bahn zu bieten hatte. Doch dann die Revolution: Bahnfahren mit 250 Stundenkilometern. Von München nach Hamburg in fünfeinhalb Stunden. Züge mit Büroabteilen und Kopfhöreranschluss. Die neuen Züge sollten ursprünglich HGZ heißen, Hochgeschwindigkeitszüge, aber dann entscheidet sich die Bundesbahn doch für den international verständlicheren Namen Intercityexpress, kurz ICE. Am 29. Mai 1991 wurde der ICE offiziell in Betrieb genommen. Die großen Feierlichkeiten, vor allem in Baden-Württemberg, fanden am 31. Mai statt. Erwin Teufel: "Neue Epoche nach der Erfindung des Rades" Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel ist begeistert bei der großen Einweihungsfeier am Stuttgarter Hauptbahnhof und spricht von einer „neuen Epoche 5000 Jahre nach der Erfindung des Rades“. Teufel nimmt anschließend an einer Schnupperfahrt von Stuttgart nach Mannheim statt. Neue Bahnhöfe und Trassen Es sind nicht nur die schnellen Züge, die das Bahnfahren beschleunigen, sondern auch zum Beispiel der neue Durchgangsbahnhof Kassel-Wilhelmshöhe oder neue Trassen wie die zwischen Göttingen und Würzburg sowie Stuttgart und Mannheim, die für den ICE reserviert sind und ein paar Abkürzungen mit sich bringen. Allerdings: Als die neugierigen Besucher in Mannheim auf die Schnupper-ICEs aus Stuttgart und Frankfurt warten, kommt es gleich – imagegerecht – zu einer Verspätung. Einer der Züge hat eine technische Panne ... Fahrplanwechsel am 2. Juni 1991 Mit dem offiziellen Fahrplanwechel am 2. Juni 1991 geht der ICE schließlich in den Regelbetrieb.

  • May 24 · 8 min

    Wozu „Grundgesetz“ und „Verfassungsgericht“? Carlo Schmid und Adolf Süsterhenn im Parlamentarischen Rat | 8.9.1948

    Grundgesetz als Provisorium Bei den Beratungen im Parlamentarischen Rat 1948 war schon klar: Eine wirksame Verfassung für ganz Deutschland wird es bis auf weiteres nicht geben. Was aber bedeutet das für das entstehende Verfassungswerk – wie provisorisch ist es, wie muss es geschrieben sein, um dem geteilten Zustand gerecht zu werden? Dazu äußert sich Carlo Schmid, der Wortführer der SPD. Carlo Schmid für Schwarz-Rot-Gold Er war es auch, der den Begriff „Grundgesetz“ prägt – und am Ende dieser Aufnahme auch für die Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold plädiert. Adolf Süsterhenn: Verfassungsgericht soll Bund vor Ländern schützen und umgekehrt In der gleichen Sitzung des Parlamentarischen Rats erklärt Adolf Süsterhenn von der CDU, welche Aufgaben genau das Bundesverfassungsgericht haben soll – Konrad Adenauer habe da klare Vorstellungen: Das Gericht solle den Staat vor den Ländern schützen und umgekehrt, und es soll die Bürger vor einer diktatorischen Mehrheit schützen. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht klar, dass das Gericht nach Karlsruhe kommen würde. Diese Entscheidung fiel erst 1951.

  • April 30 · 5 min

    Der "Weiße Wal" im Rhein – Beluga-Fieber in Duisburg | 20.5.1966

    Zoodirektor will den Wal erwischen 1966 schwimmt ein Weißwal – auch Beluga genannt – den damals ziemlich dreckigen und verseuchten Rhein hinauf, bis nach Duisburg. Zwei Rheinschiffer entdecken ihn am 18. Mai 1966. Die Nachricht spricht sich schnell herum, der Wal bekommt den Spitznamen Moby Dick. Der erste Impuls ist aber nicht, dem Wal wieder zurück in die Nordsee zu helfen, im Gegenteil. Der Duisburger Zoodirektor Dr. Wolfgang Gewalt versucht ihn zu erwischen, schießt auf ihn mit Betäubungspistolen – ohne Erfolg. Am 20. Mai 1966 taucht der Wal wieder auf. Der WDR berichtet. Jagd auf Beluga wird zum Spektakel Die Waljagd wird zum Spektakel; Presseboote und sogar Zeppeline begleiten Dr. Gewalt bei seiner Jagd auf den Wal, der immer wieder an neuen Orten gesichtet wird, tendenziell aber wieder rheinabwärts. Gleichzeitig kippt die Stimmung. Naturschützer drängen darauf, den Wal in Ruhe zu lassen. Die Bild-Zeitung greift die Stimmung auf, schreibt von gnadenloser Jagd. Der Kölner Express fordert "Verhaftet Dr. Gewalt". Nach einem Monat, am 16. Juni 1966, findet der Wal in die Nordsee zurück und schwimmt wieder im offenen Meer.

  • April 20 · 55 min

    Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen

    Das Kernkraftwerk Tschernobyl war im Ukraine-Krieg schon früh Angriffsziel der russischen Streitkräfte. Das weckte bei vielen Erinnerungen an die Reaktorkatastrophe vom 26.4.1986. Gábor Paál und Miriam Mörtl sprechen über Tonaufnahmen von damals (SWR 2011/2026) Mehr zur Sendung: http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: @daswissen@ard.social

  • April 18 · 36 min

    Frühe Atom-Euphorie – Die Epoche der Kernenergie in Deutschland (1/2)

    In Deutschland war die Begeisterung für die Atomkraft zunächst groß: unerschöpfliche Energie! 1960 wird im Kernkraftwerk Kahl am Main "das atomare Feuer entfacht", wie der Reporter damals schwärmt. Die Kritik war eher leise und kam vor allem von rechts. Gábor Paál spricht mit dem Historiker Joachim Radkau (SWR 2022/2026) Historische Tonaufnahmen im Archivradio: Geschichte der Kernenergie http://swr.li/kernenergie-geschichte Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen

  • April 18 · 31 min

    Vom Widerstand zum Atomausstieg – Die Epoche der Kernenergie in Deutschland (2/2)

    Der Widerstand gegen das AKW Wyhl in den 1970ern war die Keimzelle der großen Anti-Atomkraft-Bewegung. Am Ende hat sie gesiegt, die letzten Meiler sind 2023 vom Netz gegangen – anders als im Ausland. Wie kam es dazu? Gábor Paál spricht mit dem Historiker Joachim Radkau (SWR 2022/2026) Historische Tonaufnahmen im Archivradio: Geschichte der Kernenergie http://swr.li/kernenergie-geschichte Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die Folgen http://swr.li/tschernobyl-folgen Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: daswissen@swr.de Folgt uns auf Mastodon: https://ard.social/@DasWissen

  • April 17 · 16 min

    Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter zum Umgang mit der Atom-Angst | 12.12.1986 | Tschernobyl

    Irrglaube: Gefahren durch Technik beherrschen Im Dezember 1986 gab der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1923 - 2011) ein Interview im NDR. Er sprach über den Umgang mit der Angst nach der Reaktorkatastrophe. Er warnte vor dem Glauben, alle Gefahren mit dem Fortschritt der Technik beherrschen zu können. Appell an Politiker: der Öffentlichkeit die Wahrheit zutrauen NDR-Reporter Ralph Ludwig (1943 - 2017) sprach im Interview mit dem bekennenden Friedensaktivisten Richter über den Umgang mit der Angst nach einer solchen Umweltkatastrophe. Am wichtigsten sei es, offen miteinander zu sprechen. Das gelte vor allem auch für Politiker, die einen Hang zu Vormundstellung hätten und der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit zutrauten. Warnung vor größenwahnsinnigem Missbrauch der Technik Horst-Eberhard Richter glaube an eine "tiefe Fehlhaltung der Menschen", wenn sie glaubten, sie könnten die energiepolitischen Probleme mit der Weiterentwicklung der Technik lösen. Es gehe darum, zu einer anderen Grundhaltung zu finden: Wenn dieses bescheidene Lebensgefühl, die maßvolle Selbsteinschätzung nicht wieder hergestellt wird, dann wird dieser größenwahnsinnige Missbrauch der Technik nicht aufhören. Quelle: Horst-Eberhard Richter